LERNEN MIT ZUKUNFT Ausgabe September 2013 - page 5

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ie „Schilddrüse (thyreoidea)“
mitunter auch Temperaments-
drüse genannt, regelt durch die
von ihr gebildeten Hormone den gesam-
ten Stoffwechsel. Die Drüse besteht aus
zwei Drüsenlappen rechts und links vom
Kehlkopf und einem vor dem Kehlkopf
und der Luftröhre liegenden schmalen
Verbindungsstück, das die beiden Lap-
pen miteinander verbindet. Die äußerst
stark durchblutete Drüse erzeugt, spei-
chert und schüttet drei Hormone aus:
Das Trijodthyronin (T3), das Thyroxin
(T4) und das Calcitonin, welches auch
in den vier Nebenschilddrüsen gebildet
wird.
HERZSCHLAG UND WACHSTUM
T3 und T4 beschleunigen verschiedene
Lebensvorgänge, wie zum Beispiel den
Herzschlag oder beim Kleinkind das
Wachstum und beeinflussen auch die
Körpertemperatur. Das Calcitonin senkt
die Anreicherung des Blutes mit Calcium
und fördert die Ausscheidung dieses
Stoffes über die Niere, indem es gleich-
zeitig den Calciumabbau in den Knochen
hemmt. Die Steuerung der Schilddrü-
senhormonproduktion geschieht vom
Zwischenhirn ausgehend mit Hilfe des
Hormons TRH, das die Hirnanhangdrüse
(Hypophyse) zu vermehrter Produktion
des Hormons TSH veranlasst. Dieses
Hormon regt als Botenstoff die Hormon-
speicher der Schilddrüse zur verstärkten
Abgabe der Reserven an das Blut an.
Krankheiten der Schilddrüse verändern
diese Systematik dramatisch und es
kommt zu unangenehmen bis lebensbe-
drohenden Zuständen.
Die Schilddrüsenüberfunktion (Hyper-
thyreose) führt durch Überproduktion
der Schilddüsenhormone zur ganzen
oder teilweisen Vergrößerung der Drüse
(heißer Knoten oder autonomes Adenom
genannt). Jede Vergrößerung wird als
Struma oder im Volksmund
„Kropf“ bezeichnet.
Das Hervortreten des Augapfels (Base-
dowaugen), Herzrhythmusstörungen,
Durchfälle, Sehstörungen, Atemnot,
Bewusstlosigkeit, Nervosität, Haarausfall
zwingen zur medikamentösen Behand-
lung oder zur Operation. Bei der Schild-
drüsenunterfunktion (Hypothyreose),
bei der zu wenig Hormone produziert
werden, müssen die Hormone durch
tägliche Gaben in Tablettenform
meist lebenslang zugeführt werden,
um schwerste Beeinträchtigungen
(Schwellungen der Beine, Gesicht-
södeme, starke Kälteempfindlich-
keit, Menstruationsbeschwerden,
Abgeschlagenheit, tiefste Bewusst-
losigkeit) zu verhindern. Eine
Sonderform der Unterfunktion ist
die Hashimoto –thyreoiditis, eine
chronische Entzündung der Schild-
drüse, bei der körpereigene Zellen
das Drüsengewebe zerstören.
Selten, aber besonders bösar-
tig ist der Schilddrüsenkrebs
durch rasche Tochterge-
schwulst-
bildung.
HORMONE HABEN EINE STARKE WIRKUNG
Die Temperamentsdrüse
Das unterschätzte Organ:
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SEPTEMBER 2013 | 5
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Prof. Franz W. Strohmer
med. Journalist
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